Letzten Mai 2016 habe ich das Buch „Handbuch des Helden“ von Christopher McDougall gelesen. Dabei geht es um eine britische Undercover Mission während des 2. Weltkriegs. Thematisiert wird dabei auch, was uns Menschen Energie für nach unseren heutigen Maßstäben unmögliche körperliche Aufgaben gibt. Der Schlüssel liegt demnach in dem Leben, dass wir bis vor ca. 10.000 Jahren geführt haben, ohne Schutz vor tödlichen Gefahren, im ständigen Kampf ums tägliche überleben und ohne Ackerbau und Viehzucht. Der Theorie zur Folge verfügt unser menschlicher Körper trotz erheblicher Anpassungen an die landwirtschaftlich erzeugte Nahrung über Kräfte, die nur freigesetzt werden, wenn wir ihn mit der Jahrmillionen verfügbaren Nahrung mit Energie versorgen. Vor allem eine Ernährung auf Pflanzenbasis, sei der ideale Treibstoff für Höchstleistungen. Diese Ernährungsweise war vor ein paar Jahren als Paleoernährung im Trend und lebt aktuell in den auf den Aktionstischen der Buchhändler als low carb in etwas alltagstauglicher Form weiter. Egal, wie man das Kind am Ende nennt, zielen diese Ernährungsformen darauf ab, die Fettverbrennung, die wird durch unsere moderne westliche Ernährung powered by Mc Donalds und Coca-Cola verlernt haben, wieder zu aktivieren.

Handbuch des Helden von Christopher McDougall
Cover des Buches Handbuch des Helden, Christopher McDougall, Blessing

Nach dem Mr. McDougall meine Neugier geweckt hatte, musste ich diese Ernährungsweise ausprobieren. Das hieß: Kein Getreide, kein raffinierten Zucker, keine stark verarbeiteten Lebensmittel, keine stärkereiche Gemüse, keine Hülsenfrüchte, keine Milchprodukte. Bleibt noch übrig: Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst und Früchte, Nüsse und Samen. All das, was die Natur vor der Erfindung der kultivieren Landwirtschaft hergab, wenn auch nicht in der Vielfalt und Verfügbarkeit wie es heutige Supermärkte tun. Stichwort Supermarkt: Die ersten Wochen kam ich aus keinem Supermarkt in unter einer halben Stunde heraus, weil ich die Inhalte eines jeden Produktes erst studieren musste. Es war für mich beim Lesen höchst erstaunlich, wie wenig Lebensmittel ohne Zucker oder diverse Zusätze auskommen. So wanderten vermeintlich gesunde und nach Paleoernährung vorgesehenen Lebensmittel wie Räucherfisch, Spinat, Apfelrotkohl, gefrorenes Obst, Schinken und Salami von meiner Hand nicht in den Wagen, sondern gleich wieder ins Regal.
Mit sich bringt diese Ernährung viel Zeit in der Küche. Da ich leidenschaftlich gerne koche, ist dies solange kein Problem, wie mein Berufsleben und Sport diese Zeit auch hergibt. Nach einem zehn stündigen Arbeitstag mit einer Stunde Pause, circa einer Stunde Wegstrecke, bis zu zwei Stunden Training unter der Woche und angepeilten 8 Stunden Schlaf bleibt diese Zeit trotz der theoretisch verbleibenden zwei Stunden nicht immer. So halte ich mich an die 80/20 Regel aus einem meiner Paleo-Kochbücher. 80% richtig und 20% so gut es geht. Wenn dann die Soße einer Dönerbox mit Fleisch und Salat auf Joghurt basiert und das Fleisch nicht von einem freilebenden und täglich vom Bauer 3 mal gestreichelten Kalb stammt, dann werde ich dadurch nicht vom Rad fallen und auch die nächste Laufeinheit überleben.
Blicke ich auf meine Bestleistungen mit und ohne Paleoernährung zurück, gibt keinen Zweifel, dass diese Ernährungsform nicht vollkommen falsch für mich sein kann. Ich konnte meine 10km Bestzeit innerhalb von eineinhalb Monaten um sieben Minuten steigern, ohne signifikant an Gewicht zu verlieren oder mein Training umzustellen. Den Unterschied bemerke ich vor allem bei langen extensiven Rad- oder Laufeinheiten, in denen ich es nach Stunden ohne Nahrungsaufnahme schaffe mein Anfangstempo zu halten.
Unter Ausdauersportlern, Ernährungsexperten und solchen die sich für beides halten, existiert seit dem Fett in dem 80er Jahren von staatlichen Ernährungsinstituten verteufelt wurde, eine wohl nie wieder endende Diskussion, welche Ernährungsweise nun die Beste und damit einzig Richtige ist.
Meine Meinung: Jeder Mensch ist anders, genau wie jeder menschliche Körper anders ist. Manch ein Stoffwechsel ist von Natur aus aktiver als der Andere. Manch einer isst und bleibt Haut und Knochen, ein anderer schaut Essen nur schief an und sieht aus wie das Michelinmännchen. Ok, ganz so extrem wie Fettleibige dies einem weiß machen wollen, ist es nicht. Ich weiß das, weil ich auch mal einer war. Wieder zu Sache: Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass es in der Elite eines jeden Ausdauersports Anhänger der verschiedensten Ernährungsweisen gibt. Egal ob low fat, Vegan, low carb, Paleo oder ganz ohne trendigen Namen, soll doch jeder Essen und Trinken was ihm gut tut. Und wenn jemand mit einer Diät aus Knäckebrot oder Gummibärchen am schnellsten rennt und er oder sie damit einfach am glücklichsten ist, soll es mir recht sein.