Warum kommt man plötzlich auf die Idee sein Lebensstil umzustellen? Für viele Menschen benötigt es ein schicksalhaftes Ereignis, wie eine Krankheit oder Todesfall eines nahen Verwandten. Zum Glück ist mir Diverses erspart geblieben.
Die Augen geöffnet hat mir vor zweieinhalb Jahren die App MyFitnessPal, in die man alle konsumierte Nahrung über den Tag einträgt und die App aus einer Datenbank die Nährstoffe addiert. Ich hatte mich bis dato nie mehr mit Kalorien, Mikro und Makronährstoffen beschäftigt, als dass ich wusste, dass es diese Begriffe gibt. Das bewusste Auseinandersetzen mit der Frage „Was esse ich über dem Tag?“ und vor allem „Was benötige ich überhaupt?“ war zu diesem Zeitpunkt für mich neu.

Nach dem ich 2014 begonnen hatte mich bewusster zu ernähren in dem ich meine tägliche Kalorienzufuhr reduzierte und weiter Kilometer lief, habe ich es geschafft zwischen Mitte August und Anfang Dezember 17 kg Körpergewicht zu verlieren und zum ersten Mal, seit Jahren mit 84 kg bei 184 cm Körpergröße wieder als annähernd normalgewichtig zu gelten.

Egal, was sich an einem äußerlich ändert, entwickelt sich am meisten im Kopf. Das Abschaffen von Gewohnheiten und Entwickeln neuer, die Zufriedenheit beim wöchentlichen Wiegen wieder etwas Ballast losgeworden zu sein, das Gefühl mit dem Anblick im Spiegel zum ersten Mal wirklich zufrieden zu sein, lässt einen das Leben mit neuen Augen sehen. Augen mit denen nichts unmöglich erscheint, wo Dinge an einem selbst nicht von Natur aus sind, sondern sich erst durch das tägliche Tun und Denken so entwickelt haben, wo man nur wollen muss, damit sich diese weiterzuentwickeln.Genau so herausfordernd, wenn nicht gar noch schwieriger, als in diesen Fluss zu kommen, ist es nachdem die Euphorie über das neue Leben verflogen ist, die guten Gewohnheiten beizubehalten, die Motivation zu finden besser als sein gestriges Ich zu sein und nicht in alte Muster zu verfallen. Wenn ich über die letzten 2 Jahre nachdenke, kann ich nicht beantworten, ob ich es seit dem jemals wieder in diesen Zustand des „Nichts ist unmöglich“ geschafft habe, weiß aber, dass ich nach wie vor in das ein oder andere schlechte Muster verfalle, keine Motivation für Training finde oder ungesundes Zeug in mich reinstopfe, in dem Glauben, dass ich es in diesem Moment zum Glücklichsein benötige. Aus solchen Phasen wieder herauszukommen ist für eine annähernd gleichgroße Überwindung, wie überhaupt anzufangen. Aber wo wäre denn der Spaß dabei, wenn alles im Leben einfach wäre?
Verändert hat mich diese Zeit trotz ab und zu wiederkehrender Muster dennoch, da ich ein völlig neues Bewusstsein für Ernährung und Interesse an Sport bekommen habe, dass mich seit dieser Zeit nicht mehr loslässt. Ich hätte mich vorher nie als schüchternen Menschen bezeichnet, aber sein Äußeres zu verändern, gibt einem auch außerhalb der Laufrunde ein neues Selbstbewusstsein. Wenn gut-aussehende und glückliche Menschen verschiedener Hautfarbe in Apple Imagevideos erzählen, dass die Apps X & Y ihr Leben verändert haben, dann kann das jeder für manipulatives Marketing halten. Ich weiß jedoch, dass ich diese Sätze nicht schreiben würde, wenn mir an einem warmen Augusttag in 2014 nicht diese App mit blauem Logo ins Auge gefallen wäre. Auch eine Form von Schicksal, irgendwie.

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